Wenn ein Betrieb beschließt, etwas zu ändern, sucht er das größte Problem. Das ist logisch: Da ist am meisten zu holen.
Es ist auch der häufigste Grund, warum am Ende nichts passiert.
Warum das größte Problem das schlechteste ist
Weil es das größte ist. Es betrifft die meisten Leute, hängt an den meisten anderen Dingen, und niemand kann es allein entscheiden.
Ein Projekt an dieser Stelle braucht Abstimmung, Budget, einen Zeitplan und die Aufmerksamkeit des Chefs über Monate. Es hat viele Möglichkeiten zu scheitern, und wenn es scheitert, ist der Betrieb für Jahre kuriert von Digitalisierung.
Was ein kleiner Anfang macht
Ein kleines Problem hat einen Vorteil, der alles andere aufwiegt: Es ist in zwei Wochen erledigt.
Und danach hat der Betrieb etwas, das er vorher nicht hatte — nicht die Lösung, sondern die Erfahrung, dass so etwas funktionieren kann. Der Mann vor Ort hat gesehen, dass ihm jemand zugehört und danach etwas gebaut hat, das ihm Arbeit abnimmt. Der Chef hat gesehen, dass Geld reingeht und etwas rauskommt.
Beim zweiten Projekt sind alle anders unterwegs. Beim dritten kommen die Leute von selbst mit Ideen.
Wie man das kleinste Problem findet
Nicht durch Nachdenken. Durch Zuhören.
Es ist immer dasselbe Muster: Irgendwo im Betrieb gibt es einen Handgriff, über den sich jemand jeden Tag ärgert. Er ist zu klein, um ihn zu melden. Er kostet zehn Minuten, nicht zehn Stunden. Aber er nervt seit Jahren.
Diese Dinge stehen in keiner Prozessdokumentation. Man findet sie, indem man fragt: Was ist das Nervigste an deinem Tag?
Die Antwort ist nie das, was in der Geschäftsführung als Problem gilt.
Was so ein Ding wert ist
Weniger, als man denkt, wenn man rechnet. Zehn Minuten am Tag sind vierzig Stunden im Jahr. Das rechtfertigt kein Projekt.
Mehr, als man denkt, wenn man auf das schaut, was danach passiert. Denn die Person, die diese zehn Minuten los ist, erzählt es weiter. Und plötzlich ist Digitalisierung im Betrieb nichts, was von oben kommt, sondern etwas, das jemandem geholfen hat.
Das lässt sich nicht kaufen und nicht anordnen.
Der Einwand
„Aber das große Problem bleibt doch.“
Ja. Es bleibt, bis der Betrieb so weit ist, es anzugehen. Und er ist eher so weit, wenn drei kleine Dinge funktioniert haben, als wenn ein großes gescheitert ist.
Außerdem: Manchmal löst sich das große Problem unterwegs auf. Nicht selten stellt sich heraus, dass es aus fünf kleinen bestand, von denen drei schon weg sind.
Was das für den Anfang heißt
Wenn Sie überlegen, wo Sie anfangen sollen, fragen Sie nicht Ihre Führungsebene. Fragen Sie die Leute, die den Tag über arbeiten, was sie am meisten nervt.
Nehmen Sie das Kleinste davon. Lösen Sie es. Dann reden Sie weiter.
Im nächsten Teil: Warum ein Akkuschrauber dasselbe Problem hat wie ein Baustellenzettel.
